© G. Mühlenbruch-Walter

Partnerschaft Baboua

 Den Kirchenkreis Diepholz und die Bibelschule in Baboua in der Zentralafrikanischen Republik verbindet seit Januar 1998 eine lebendige Partnerschaft. Gegenseitige Besuche, Telefonate, Briefe und Gebete füreinander zu Gott zeichnen den Kontakt aus. 

Februar 2021

Liebe Schwestern und Brüder,
 
morgen ist der letzte Sonntag im Monat – laut Verabredung der Sonntag, an dem die Menschen an der Bibelschule Baboua und hier im Kirchenkreis besonders füreinander beten.
 
Nach anfänglichen Problemen ist es mir gelungen, Pastor Gbawi, den Direktor der Bibelschule, telefonisch zu erreichen. Er hat mir berichtet, dass die Bibelschule aktuell etwas mehr als 300 „Binnenflüchtlinge“ beherbergt, darunter über 200 Kinder – Menschen, die vor den Überfällen und Plünderungen aus ihren Dörfern geflohen sind und in Baboua Zuflucht gesucht haben. Sie leben in den Häusern, die eigentlich für die Bibelschulstudenten und ihre Familien vorgesehen sind – die bürgerkriegsähnliche Situation lässt es aktuell nicht zu, Studenten für den neuen Ausbildungsdurchgang zu rekrutieren; und so standen die Häuser zur Verfügung.
 
In Baboua selbst ist es einigermaßen ruhig; auch die Straße in Richtung Kamerun (es sind etwa 40 km bis zur Grenze) ist im Konvoi und unter dem Schutz russischer Soldaten und der zentralafrikanischen Regierungstruppen passierbar.
 
Die Versorgung der Zuflucht suchenden Menschen und Familien stellt die noch anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bibelschule vor große Herausforderungen – es fehlt schlicht an Geld, um Lebensmittel und Wasser in ausreichender Menge und Qualität zu beschaffen. Das betrifft auch die Menschen an der Bibelschule persönlich – nach einem Versuch meinerseits hat Pastor Gbawi mich nur ganz kurz angerufen und um Rückruf gebeten, weil er kein Geld hat, um seine Prepaid-Karte aufzuladen. Der KKV hat auf Antrag des Partnerschaftsausschusses eine finanzielle Soforthilfe bereitgestellt, die jetzt mit Western Union auf dem Weg in die kamerunische Grenzstadt Garoua Boulai ist. Dass Pastor Gbawi tatsächlich sicher und behütet dorthin gelangt, um das Geld abzuholen – und vor allem wieder zurück, wenn er es bei sich trägt -, ist sicher ein wichtiges Gebetsanliegen, ebenso natürlich die Menschen an der Bibelschule und ihre „Gäste“. Immer wieder bitten unsere Partnerinnen und Partner uns auch, für ein Ende der Gewalt, für Frieden und Gerechtigkeit in ihrem Land zu beten.
 
Nach wie vor spielt die COVID 19-Pandemie kaum eine Rolle dort; und nach wie vor ist mir nicht klar: Liegt das am Klima, das dem Virus nicht behagt? Oder geht die Pandemie dort einfach unter im „Grundrauschen“ der großen und kleinen Katastrophen, die das Land heimsuchen und von denen auch unsere Partnerkirche betroffen ist?
 
Kaum erträgliche Bedingungen, unter denen die neu gewählte Kirchenleitung (Pastor Ngoe als Kirchenpräsident, Pastorin Doumbaye als seine Stellvertreterin) ihre Arbeit antreten muss.
 
Einen gesegneten Sonntag wünscht
Michael Steinmeyer

Januar 2021

Zusammenfassung der Berichte über Ereignisse in der Zentralafrikanischen Republik und ihre Auswirkungen auf die Arbeit der dortigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (EELRCA) und insbesondere der Bibelschule Baboua

Auf verschiedenen Kanälen erfährt der Partnerschaftsausschuss von der Situation in unserer zentralafrikanischen Partnerkirche:

Die meisten Nachrichten kommen von Pastorin Rachel Doumbaye, der unlängst im Amt be­stätigten Vizepräsidentin der EELRCA. Sie steht, soweit möglich, in regelmäßigem Kontakt mit Anne Gevers-Melcher. Aktuell hält sie sich in Bouar auf, dem Ort der Kirchenleitung und Kirchenverwaltung – allerdings wohl aus Sicherheitsgründen weder an ihrem eigentlichen Ar­beitsplatz noch zu Hause. Hintergrund sind die gewalttätigen Aktionen verschiedener Rebel­lengruppen, ausgelöst durch die für Ende Dezember angesetzte Neuwahl des Staatspräsiden­ten. Das offizielle Ergebnis (Bestätigung des Amtsinhabers Touadera) wird nicht von allen anerkannt: Anhänger und Gegner des Präsidenten bekämpfen einander; es kommt zu Überfäl­len und irregulären Straßensperrungen. In Bouar scheint die Situation besonders chaotisch zu sein. Ob die Wahl korrekt und fair verlaufen ist, lässt sich von hier aus kaum verlässlich beur­teilen. Auf jeden Fall ist es wohl zu Einschüchterungsversuchen gegenüber Wählerinnen und Wählern vonseiten verschiedener bewaffneter Gruppen gekommen.

Der neugewählte Kirchenpräsident Pastor Joseph Ngoe, hier im Kirchenkreis bekannt von ei­nem Besuch im Jahr 2011 als damaliger Direktor der Bibelschule, hält sich den letzten Be­richten zufolge weiterhin in der Hauptstadt Bangui auf. Nach Aussage von Vizepräsidentin Doumbaye hofft die neugewählte Kirchenleitung auf seine Rückkehr nach Bouar und die Wiederaufnahme der gemeinsamen Arbeit Ende Januar.

Pastor Lucien Gbawi, der aktuelle Direktor der Bibelschule, hat kurz vor Weihnachten berich­tet, dass eine Rebellengruppe, die sich „3R“ nennt, Baboua unter ihre Kontrolle gebracht habe. Wenig später ist es zu einem bewaffneten Einbruch ins Büro der Bibelschule gekom­men. Dabei wurde aus dem Safe das Geld gestohlen, das zur Finanzierung der ursprünglich für den Juni 2020 geplanten Delegationsreise nach Deutschland bestimmt war. Ob die Täter ebenfalls zu „3R“ gehören, geht aus seinem Bericht nicht hervor. Besonders bitter ist es aber, dass der Hinweis, dort gebe es etwas zu holen, offenbar von einem ebenfalls an der Bibel­schule beschäftigten Pastor kam. Pastor Gbawi hat sich zunächst nach Garoua Boulai (Kamerun) in Sicherheit gebracht, ist inzwischen aber wieder in Baboua und muss dort mit dem „Verräter“ ausharren. Gegenüber Pastor Mirco Kühne, früher als Missionar an der Bibel­schule tätig, hat Pastor Gbawi zu verstehen gegeben, sowohl er selbst als auch die Bibelschule seien momentan völlig mittellos.

Die Corona-Pandemie scheint übrigens in der Wahrnehmung unserer zentralafrikanischen Partnerinnen und Partner eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Ich führe das darauf zurück, dass andere Krisen und Probleme als wesentlich akuter und drängender erlebt werden.

Michael Steinmeyer

Dezember 2020

Am 20. Dezember erreichte uns die Nachricht, dass Boboua angegriffen wurde und sich jetzt in der Hand der "Rebellen"gruppe 3R befindet. Auch in die Bibelschule überfallen und bestohlen.

Nach Recherchen von Human Rights Watch nimmt 3R unter Führung von Abbas Sidiki in Anspruch, die Rechte muslimischer Viehzüchter (Peul/Fulbe) zu schützen. Bei genauerem Hinsehen scheint es sich jedoch um nichts weiters zu handeln, als um eine Bande von Marodeueren, die brandschatzen, plündern, vergewaltigen und töten, wo immer sie die Gelegenheit dazu bekommen. Human Rights Watch hat dau bereits 2016 auf Youtube ein Video veröffentlicht.

Der Direktor bittet vor diesem Hintergrund besonders um Fürbitte für die Menschen an der Bibelschule und in Baboua.

(Aus einer Mail von Michael Steinmeyer)
Quelle: J.Worbs

Juli 2018

Tränen der Trauer und der Hoffnung

„Zentralafrika weint“, sagt Pastorin Dr. Antoinette Yindjara, Direktorin der Theologenschule in Baboua, bei einem Vortrag in Hannover. Auf Einladung der französischen Mission und des ELM Hermannsburg sind sie und ihre Kollegin Rachel Doumbaye, Vizepräsidentin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Zentralafrikanischen Republik (EELRCA), für zwei Wochen zu Gast in Paris, Hannover, Hermannsburg – und bei dieser Gelegenheit auch in Wagenfeld. Viele Tränen fließen bei der Begegnung mit den Geschwistern aus dem Kirchenkreis Diepholz: Tränen der Freude über das Wiedersehen; Tränen der Trauer über erlittenes Leid und Unrecht.

Was die beiden Pastorinnen in ihren Vorträgen und im persönlichen Gespräch berichten, lässt keinen Zweifel: Ihr Land muss als „failed state“ bezeichnet werden: Ein Land weithin ohne funktionierende Institutionen, ohne funktionierendes Bildungs- und Gesundheitssystem; eine Gesellschaft, zerrissen durch den Bürgerkrieg und seine Folgen. Ein Land, dem viele Menschen den Rücken kehren, um sich in einem der Nachbarländer eine neue Existenz aufzubauen.

Die Kirche, so sagen die beiden Theologinnen, hat einen Auftrag: Frieden zu stiften, wie Jesus es in der Bergpredigt von seinen Jüngerinnen und Jüngern fordert, sagt Antoinette. Sie berichtet von der Arbeit mit Traumatisierten und vom Beitrag, den evangelische, katholische und muslimische Gemeinschaften zur Versöhnung leisten. „Wer Frieden stiften will, wartet nicht, dass das Gegenüber den ersten Schritt geht, sondern geht ihn selber“, sagt sie. Rachel vergleicht die Situation in Zentralafrika mit der Situation des Volkes Israel im babylonischen Exil: Gott verheißt den Menschen ein neues Herz; denn er hat kein Interesse am Tod des Sünders, sondern an seiner Heilung.

In ihrer Wagenfelder Predigt über die Speisung der 5000 schließlich spricht Antoinette von ihrem Vertrauen und ihrer Hoffnung auf Gottes Möglichkeiten, die größer sind als unsere. Mit diesem Vertrauen und mit dieser Hoffnung, aber auch mit der Bitte um unsere Gebete und um Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft kehren Antoinette und Rachel in ihre Heimat zurück.

Pastor Michael Steinmeyer, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz