Ev.-luth. Kirchengemeinde Sulingen
Den Kirchenkreis Diepholz und die Bibelschule in Baboua in der Zentralafrikanischen Republik verbindet seit Januar 1998 eine lebendige Partnerschaft. Gegenseitige Besuche, Telefonate, Briefe und Gebete füreinander zu Gott zeichnen den Kontakt aus.

Juli 2016

Besuch von der Bibelschule Baboua

Fünf Jahre nach dem letzten Besuch dürfen wir im Herbst 2016 endlich wieder Gäste von der Bibelschule Baboua in unserem Kirchenkreis be­grüßen. Vom 13. September bis zum 2. Oktober werden folgende sechs Schwestern und Brüder bei uns zu Gast sein:

Gbabou-Legba Junior ist 22 Jahre alt und Student an der Bibelschule. In seiner Heimatgemeinde Yaloke ist er als Verantwortlicher in der Ju­gendarbeit tätig gewesen und hat im Chor gesungen. Jetzt wird er in Baboua zum Katechisten ausgebildet. Er ist verheiratet mit

Lambousa Agnès, 42 Jahre alt und aus Berberati stammend. Sie ist Hausfrau und engagiert sich in der Frauenarbeit auf gemeindlicher und gesamtkirchlicher Ebene.

Gbayombo Privat, 31 Jahre alt, stammt aus Ndiba und ist von Beruf Mechaniker. Er ist in der kirchlichen Chorarbeit aktiv.

Der 53jährige Halate Paul wurde an der Theologenschule Baboua aus­gebildet und 2000 in Berberati zum Pastor ordiniert. Seit 2012 ist er Dozent an der Bibelschule Baboua. Er und seine Frau haben vier Söhne und drei Töchter.

Geleitet wird die Delegation von Pastor Kombo Alfred (55 Jahre). Auch er ist an der Theologenschule Baboua ausgebildet worden und hat außerdem in Yaoundé (Kamerun) studiert. An beiden Ausbildungsein­richtungen in Baboua hat er bereits unterrichtet. Seit Herbst 2015 ist er Direktor der Bibelschule.

Ndanda Sidonie ist 40 Jahre alt. Sie ist im Krankenhaus Baboua zur Hebamme ausgebildet worden und arbeitet jetzt in der Geburtshilfe der lutherischen Krankenstation in Gallo.



März 2016

„Frauen und Kinder leiden besonders“

„Frauen und Kinder leiden besonders unter den Folgen des Bürgerkriegs und der nach wie vor bestehenden Unsicherheit in der Zentralafrikanischen Republik. Darum fühlen wir uns in unserer Arbeit diesen am stärksten betroffenen Menschen besonders verpflichtet.“ Deutliche Aussagen von Josephine Oumarou, Präsidentin der Frauenarbeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche der Zentralafrikanischen Republik (EELRCA) und Pastorin Dr. Antoinette Yindjara, Direktorin der Thelogenschule in Baboua. Die beiden Frauen waren einer Einladung des Partnerschaftsausschusses gefolgt und trafen jetzt in Wagenfeld mit Ausschussmitgliedern, Superintendent Priesmeier und interessierten Gemeindegliedern aus den Kirchengemeinden des Kirchenkreises zusammen. Engagiert und lebendig berichteten die beiden Gäste aus ihrem Land und ihrer Kirche.

Begonnen hatte der gemeinsame Tag mit einem Gottesdienst in der St. Antonius-Kirche und einer bewegenden Predigt von Pastorin Dr. Yindjara.

Nach dem Gottesdienst war im Gemeindhaus Gelegenheit zu Begegnung und Gespräch bei Essen und Trinken. Eine besondere Rolle in den Berichten der Besucherinnen spielte immer wieder die Arbeit mit kriegstraumatisierten Menschen in ihrem Land: „Der Ruf nach Versöhnung kommt für viele zu früh. Sie müssen erst einmal lernen, mit dem zu leben, was sie erlebt und erlitten haben.“ Groß ist die Hoffnung, dass die aktuell stattfindenden Wahlen zu Frieden und Stabilität im Land beitragen. Und immer wieder die gegenseitige Bitte: „Betet für uns!“

Ein Tag intensiver Begegnungen und Gespräche, an dessen Ende der Abschied von den beiden Gästen nicht leicht fiel.

Michael Steinmeyer, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses



November 2015

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer unserer Partnerschaftsarbeit,

Erster Advent – und letzter Sonntag im Monat: Zeit für die regelmäßige Baboua-Fürbitte in unseren Gottesdiensten. Zunächst ein paar Infos aus einer Mail von Pastor Ngoe und einem Telefonat von Ulrike Stephani mit Pastor Kemane (vielen Dank, Ulrike!):

Pastor Ngoe Joseph, bisheriger Direktor der Bibelschule Baboua und 2011 einer unserer Gäste hier im Kirchenkreis, ist zu missionswissenschaftlichen Studien nach Yaounde (Kamerun) entsandt worden. Sein Nachfolger in der Leitung der Bibelschule Baboua ist Pastor Kombo Alfred – auch er ist, wenn ich mich richtig erinnere, bereits hier bei uns gewesen (2003?).

In Baboua selber ist es einigermaßen ruhig. Bibelschule und Theologenschule erhalten ihren Lehrbetrieb aufrecht; die Direktorin der Bibelschule, Pastorin Yindjara Antoinette, ist jetzt auch wirklich dort und hat ihre Arbeit aufgenommen. Wie es scheint (die Telefonverbindung war schlecht), hat jetzt in Baboua ein größeres Treffen der Kirche stattgefunden. Die Straße von Garoua Boulai (Kamerun) über Baboua nach Bouar und weiter nach Bangui ist weiterhin durch Überfälle gefährdet; alle paar Tage eskortieren Blauhelme die Fahrzeuge, die dort unterwegs sind. Von einer wirklichen Normalisierung ist das Land also noch weit entfernt.

Bei einem Autounfall sind mehrere Mitarbeiter des Krankenhauses Gallo (etwa auf halbem Weg zwischen Baboua und Bouar) schwer verletzt worden, einer von ihnen lebensgefährlich. Von den beiden Entführten (dem Bürgermeister und dem Sous-prefet – etwa: Landrat – von Baboua) gibt es weiter kein Lebenszeichen – die Lösegeldforderung der Entführer ist für dortige Verhältnisse abenteuerlich hoch.

Außerdem steht jetzt der Besuch des Papstes in Bangui an, wo er unter anderem hochrangige Vertreter der zentralafrikanischen Muslime treffen will – und demnächst soll gewählt werden (Parlament und Präsident).

Mit guten Wünschen für eine gesegnete Adventszeit

Michael Steinmeyer



Oktober 2015

Eine bewegende Begegnung...

...gab es am 15. Oktober in Winsen (Aller). Acht Menschen hatten sich aus dem Kirchenkreis Grafschaft Diepholz auf den Weg in die Südheide gemacht, um den neu gewählten Kirchenpräsidenten (das entspricht unserem Landesbischof) der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Zentralafrikanischen Republik (EELRCA), Dr. Samuel Ndanga-Toué, zu treffen. Alle acht sind durch Mitarbeit und Gebet der Partnerschaft des Kirchenkreises mit der Bibelschule Baboua verbunden.

Zu dem Treffen hatte der Winsener Pastor Mirco Kühne eingeladen, der bis 2008 selber als Missionar in Baboua tätig war. Nach der Teilnahme an Tagungen des Lutherischen Weltbundes in Genf und Wittenberg hielt Dr. Ndanga-Toué sich als Gast des Evangelisch-Lutherischen Missionswerks in Niedersachsen (ELM) in Hermannsburg auf. Im Gespräch mit den Gästen aus dem Kirchenkreis Diepholz berichtete er von den immer wieder aufflackernden Kämpfen und Überfällen, die nach wie vor eine Folge des Putsches und Bürgerkriegs von 2013 seien. Besonders auf der Hauptstraße von Garoua Boulai (Kamerun) über Baboua und Bouar in die Hauptstadt Bangui komme es immer wieder zu Überfällen und dadurch auch zu Versorgungsengpässen. Eine Hauptaufgabe sieht der Kirchenpräsident für seine Kirche darin, für ein Klima der Vergebung und Versöhnung zu arbeiten. Die Partnerschaft zwischen Baboua und Diepholz ist seiner Überzeugung nach wichtig für die gesamte EELRCA.

Die Gäste aus dem Kirchenkreis Diepholz sagten zu, weiterhin für die Arbeit an der Bibelschule und in der zentralafrikanischen Kirche zu beten. Sie baten aber auch ihrerseits die Schwestern und Brüder in Zentralafrika: „Betet für uns, damit wir unsere Herzen und Türen nicht verschließen vor den Menschen, die bei uns in Deutschland Zuflucht suchen.“

Michael Steinmeyer, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses



Juli 2015

Erfolgreicher Abschluss der Ausbildung an der Bibelschule Baboua

Die Telefonverbindung war schlecht und schon nach eineinhalb Minu­ten wieder unterbrochen – aber das war immerhin Zeit genug für mei­nen Kollegen Ngoe Joseph, den Direktor der Bibelschule Baboua, mir vom erfolgreichen Abschluss des dreijährigen Ausbildungskurses zu erzählen. 30 Studenten der Bibelschule bekamen in einem Gottesdienst am 21. Juni ihre Diplome überreicht und gehen jetzt als neue Katechis­ten zurück in ihre Gemeinden.

Denn von dort sind sie vor ein paar Jahren an die Bibelschule entsandt worden; und einen Teil der Ausbildungskosten zahlen auch die Heimat­gemeinden oder –distrikte der Bibelschulstudenten. Jetzt, nach Ab­schluss der Ausbildung, kehren sie zurück und übernehmen Verant­wortung für die praktische Gemeindearbeit, leiten Gottesdienste, arbei­ten mit Kindern und Konfis, sind seelsorglich tätig. Das hat große Ähn­lichkeit mit der Arbeit von uns Gemeindepastorinnen und –pastoren. Allerdings sind die Katechisten in der zentralafrikanischen Kirche nicht ordiniert und dürfen auch nicht die Sakramente verwalten – zu Abendmahl und Taufe reist der Distriktpastor in die Gemeinden.

Auch die Frauen der angehenden Katechisten haben an der Bibelschule Unterricht erhalten und geben das erworbene Wissen in Sachen Ernäh­rung und Hygiene jetzt weiter.

Mit den zentralafrikanischen Geschwistern freuen wir uns über die er­folgreiche Ausbildung und beten für eine sichere Reise in die Dörfer und einen guten Start dort. Im September beginnt an der Bibelschule ein neuer Ausbildungskurs – im Partnerschaftsausschuss hoffen wir, nächstes Jahr Gäste aus diesem Kurs hier bei uns begrüßen zu dürfen.

Michael Steinmeyer, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses

Die drei Fotos zeigen:

  • Die Bibelschulabsolventen mit ihren Ehefrauen nach der Überreichung der Diplome
  • Pastor Joseph Ngoe, Direktor der Bibelschule, bei seiner Eröffnungsrede
  • Pastor Ngoe und der scheidende Kirchenpräsident der EELRCA, Pastor André Golike.



Mai 2015

Ermutigende Nachrichten aus der Zentralafrikanischen Republik

Noch ist der Friede brüchig, aber es scheint in der Zentralafrikanischen Republik wieder so etwas wie Normalität einzukehren. Das spüren auch unsere Partner an der Bibelschule in Baboua und in der gesamten Evangelisch-Lutherischen Kirche der Zentralafrikanischen Republik (EELRCA). So konnte die Kirche kürzlich in Bouar ihre Synode abhal­ten.

Zum neuen Kirchenpräsidenten (das entspricht unserem Landesbischof) wurde Pastor Dr. Samuel Ndnaga-Toué gewählt, der bisherige Direktor der Pastorenschule in Baboua. Vizepräsidentin der Kirche ist jetzt Pas­torin Rachel Doumbaye – einigen noch bekannt von ihrem Besuch hier bei uns 2003. Zuletzt hat sie das Lutherische Zentrum in Bouar geleitet.

Auch die neue Direktorin der Pastorenschule (wo sie schon länger als Dozentin wirkt) ist bereits hier im Kirchenkreis gewesen: Pastorin Dr. Antoinette Yindjara. Ihre klare und erfrischende Art zu predigen hat 2008 viele Zuhörerinnen und Zuhörer unter anderem in Freistatt und Ströhen beeindruckt. Das Amt des Schatzmeisters wird weiterhin von Michel Doko versehen, früher Leiter des Landwirtschaftsprogramms an der Bibelschule und 1999 unser Gast.

Außerdem wurde Vikarin Rebecca Miminza, Leiterin des Frauenpro­gramms an der Pastorenschule, zur Pastorin ordiniert. Unsere Glück- und Segenswünsche gehen an alle neu Gewählten und an Pastorin Miminza. Wir freuen uns über die Anerkennung, die der Beitrag enga­gierter Frauen zur Entwicklung der Kirche mit diesen Wahlergebnissen erfahren hat. Wir beten mit unseren Geschwistern in Baboua für Frieden und Versöhnung in der Zentralafrikanischen Republik – nicht zuletzt, damit wir die gegenseitigen Besuche wieder aufnehmen können.

Michael Steinmeyer, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses

Die Fotos zeigen:
  • Rev. Rebecca und Ihre Mentorin Rev. Dr. Antoinette
  • Rev. Rachel Doumbaye
  • Rev. Dr. Samuel Ndanga-Toue
  • Rev. Dr. Antoinette
  • President Ndanga-Toue und Rev. Rebecca


Februar 2015

Seid bereit, zur Antwort Gottes zu werden!
„Ihr Weißen habt wohl schöne Uhren, aber wir Afrikaner, wir haben die Zeit!“ Immer wieder habe ich während meines Dienstes in Zentralafrika diese Worte gehört. Anfangs habe ich mich noch gewundert, doch nach und nach wurde mir klar, dass die afrikanischen Geschwister damit eine Lebenseinstellung ausdrücken. Sie leben nach der Devise: „Seid bereit, in jedem Moment zur Antwort Gottes auf ein in Not gesprochenes Gebet einer Schwester oder eines Bruders zu werden!“  

Konkret kann das bedeuten, dass Freunde und Nachbarn beim Hören einer Todesnachricht für zwei oder drei Tage ihre Arbeit ruhen lassen, um gemeinsam mit den Angehörigen zu trauern. Oder wenn das Feld eines Nachbarn Feuer gefangen hat, dann helfen alle mit, um zu retten, was zu retten ist.

Die ständige Bereitschaft, einen Tagesplan spontan zu ändern oder sogar ganz aufgeben zu müssen, reduziert die Bedeutung einer Uhr am Handgelenk zu bloßem Schmuck. Dass Tage dadurch wenig planbar werden, dies habe ich persönlich oft als hochanstrengend erlebt. Doch eine Alternative dazu gibt es wohl nicht. In Zentralafrika wird die Frage nach den Prioritäten ganz oft sehr spontan und eindeutig entschieden: Einem Menschen in Not beizustehen, das hat in Zentralafrika ganz klar Vorrang vor der Befriedigung eigener Bedürfnisse. Denn sollten sich Menschen in der Hilfe für ihre Nächsten komplett verausgaben, dann können sie damit rechnen, dass dann ebenfalls für sie gesorgt werden wird.      

Wir Europäer sagen gerne: „Hoffnung muss greifbar sein!“ Menschen in Zentralafrika sagen stattdessen: „Hoffnung muss erfahrbar sein; dann erst wird sie greifbar!“ In einem der ärmsten Länder der Erde ist die konkrete Hilfe eines Nächsten die einzig erfahrbare Hilfe überhaupt! Und Not ist in diesem Land überall. Unsere afrikanischen Geschwister brauchen erfahrbare Hoffnungszeichen. Der Glaube an Gott – das kann für Afrikaner wie für uns ein Ausdruck der Hoffnung sein! 

Mirco Kühne, Pastor in Winsen/Aller

Auf den Fotos sehen Sie:
Angehörige begleiten die kranke Menschen, während ihres Krankenhausaufenthaltes in Baboua.