Ev.-luth. Kirchengemeinde Sulingen

Kleiner Rundgang durch die Sulinger St. Nicolai-Kirche


Wir freuen uns über Ihren (nicht nur virtuellen) Besuch!
Die Sulinger Kirche ist täglich von 10.00 - 17.00 Uhr zur Andacht und zum stillen Gebet geöffnet.


Der Taufstein
Nachdem Graf Heinrich II von Hoya von langer Krankheit genesen war, stiftete er 1290 der Sulinger Kirche diesen Taufstein mit Akanthus- und Rundbogenfries. Der Stein wurde 1965 wieder aufgestellt. Er war 1875 im Zuge der neugotischen Umgestaltung aus der Kirche entfernt worden und hatte als Blumenkübel Verwendung gefunden. Aber dadurch ist er uns erhalten geblieben! Man fand ihn in der Nachbarschaft, in Lünings Garten, wieder.
Die Größe des Taufbeckens lässt erahnen, dass die Kinder bei der Taufe ganz untergetaucht wurden. Das ist heute nicht mehr so, aber nach wie vor ist die Taufe der „Eingang“ in das Christenleben und das „Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist.“ (Titus 3,5)


Relief mit Kreuzigung
Rechts über dem Taufstein, an der Ostwand, befindet sich ein Sandsteinrelief aus dem 14. Jahrhundert, das vormals an der Außenseite des Turmes, also im Friedhofsbereich, zu sehen war. Es zeigt den Gekreuzigten, umgeben von Sonne und Mond, außerdem Maria und Johannes, die nach dem Johannesevangelium Zeugen der Kreuzigung waren. Unter dem Kreuz ein Totenkopf und ein Knochen, denn Golgatha heißt „Schädelstätte“.
Der Bereich rund um die Kirche war bis 1831 Sulinger Friedhof. Nahe der Kirchenmauern begraben zu werden, war begehrt.



Kirchenfenster der Apsis - das himmlische Jerusalem...
Zu den auffälligsten und jüngsten Kunstwerken unserer Kirche zählen die fünf Altarfenster im Chorraum. Sie wurden 1966 eingesetzt und sind nach einem Entwurf des Hamburger Kunstglasers Gerhard Hausmann gestaltet.
Die technische Ausführung unternahm die Kunstglaserei Franz Mayer aus München.
Alle fünf Fenster interpretieren die christliche Zukunftshoffnung.
„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde ... die heilige Stadt, das neue Jerusalem ... und ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall“ (Offenbarung 21). Der Lichtglanz der ewigen Stadt, ihre Pracht aus Perlen, Gold und Edelsteinen wird nach Johannes nur von der Herrlichkeit Gottes selbst überboten.
Die mittleren, „blauen“ Fenster zeigen die 12 Tore des himmlischen Jerusalem, die durch strömende Wasser miteinander verbunden sind: Das Wasser des Lebens fließt reichlich!

...und die Paradiesfenster
Die beiden grünen Seitenfenster stellen das himmlische Jerusalem mitten in den Paradiesesgarten. Im linken Fenster der Baum des Lebens, im rechten eine Wiese mit blühenden Blumen. Das verlorene Paradies erinnert uns daran, woher wir kommen, und das zukünftige Jerusalem verheißt uns, wohin wir gehen. So „predigen“ die Fenster auf ihre Weise. Sie zeigen uns, dass wir Christen noch eine andere Heimat haben, auf die hin wir unterwegs sind, Gottes Reich.




Die Wandmalerei im Altarraum
Ohne Frage liegt der Bemalung eine mittelalterliche Ausführung aus dem frühen 14. Jahrhundert zugrunde, vermutlich von Wandermönchen erstellt, die auch die Kirche in Scholen ausgemalt haben. Ursprünglich zeigte der Fries wahrscheinlich nur vier Figuren.

Der Kirchenmaler Ebeling, der das Wandbild 1901 restaurierte, hat die vorgefundenen Figuren nach seinem eigenen Verständnis „korrigiert“ und durch weitere ergänzt. Die letzte Renovierung erfolgte 1964/5 von Kirchenmaler Weikert.
Die Figuren tragen Gegenstände, sogenannte „Attribute“, die sie auch ohne Namensbeschriftung erkennbar machen und die etwas aus dem Leben der jeweiligen Person erzählen. Gezeigt werden von links nach rechts:
  1. Der Erzengel Michael im Kampf gegen den Drachen, der für alles Böse, für Satan und die Dämonen steht. (Offenbarung 12).
  2. Der Jünger Johannes: Der Legende nach wurde er einmal gezwungen, einen Kelch mit Gift zu trinken. Er schlug das Kreuz darüber, trank und blieb unversehrt. Viele kamen dadurch zum Glauben.
  3. Der Jünger Andreas: Die Legende erzählt, dass Andreas, bevor er starb, zwei Tage an ein Gabelkreuz gebunden war („Andreaskreuz“) und große Pein litt. Währenddessen predigte er weiter, göttliches Licht verhüllte den Sterbenden.
  4. Der Jünger Bartholomäus: Das Buch steht für seine unermüdliche Predigt des Evangeliums, das Messer für seinen Märtyrertod, denn Bartholomäus wurde der Legende nach die Haut abgezogen.
  5. Der Jünger Jakobus der Ältere, dargestellt mit Hut (Muschel) und Pilgerstab. Er soll bald nach Christi Himmelfahrt in Spanien gepredigt haben und gilt als Schutzherr aller Pilger und Wallfahrer. Seine Gebeine werden heute in Santiago de Compostela verehrt (daher der „Jakobsweg“).
  6. Der Jünger Petrus: Er wird mit einem Schlüssel dargestellt, denn im Anschluss an sein auch für uns grundlegendes Bekenntnis zu „Christus, des lebendigen Gottes Sohn“, sagt Jesus zu ihm: „Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und alles, was du auf Erden binden wirst, das soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, das soll auch im Himmel gelöst sein.“ (Matthäus 16,19)
  7. Der Apostel Paulus: Das Schwert in seiner Hand deutet auf seinen Märtyrertod. Paulus, der „Völkerapostel“, wurde nach kirchlicher Überlieferung im Jahr 67 in Rom enthauptet.




Altarkreuz und Kruzifix im Altarraum
Das Altarkreuz, versilbert und mit einem Bernstein in der Mitte, wurde 1970 aufgestellt und ist nach einem Entwurf unseres damaligen Kantors Wilhelm Götte gefertigt.

Das Kruzifix von 1902 war bereits Teil des neugotischen Altares, der bei der Renovierung 1964/66 zusammen mit allen anderen Elementen der neugotischen Innenausstattung aus der Kirche entfernt wurde.
Zwölf Jahre später, 1978, wurde das Kruzifix im Altarraum wieder aufgehängt, weil der Gemeinde ein bis in die hinteren Bankreihen sichtbares Kreuz in der Kirche fehlte.

Im Altarraum: Zwei geschnitzte Figuren von Richard Salcher aus Südtirol, links Maria, rechts der Jünger Johannes, platziert 1983. So ergibt sich zusammen mit dem Kruzifix die gleiche Kreuzigungsgruppe wie auf dem Sandsteinrelief in der Nähe des Taufbeckens.




Der segnende Christus
Links über der Kanzel hängt ein früheres Altarbild von 1844, das einen in der Wolke schwebenden Christus zeigt, der die Gemeinde segnet. Das Bild wurde 1844 von August Hengst gemalt und zusammen mit dem Kruzifix 1978 wieder aufgehängt, nachdem es bei der Renovierung 1964/66 zunächst abgehängt worden war (restauriert 1989).


Die anderen Bilder und Figuren
Nordwand Mitte: Das Bild zeigt den Sulinger Superintendenten Herman Friedrich Prilop, der am 12.4.1739 verstarb.
Superintendenten sind Pastoren, die als Geistliche einem Kirchenkreis vorstehen. Sulingen war von 1588 bis 1968 Sitz der Superintendentur. 1968 wurden die Kirchenkreise Sulingen und Grafschaft Diepholz zusammengelegt, heute gehört Sulingen zum Kirchenkreis Grafschaft Diepholz.

Nordwand links: Das Bild zeigt den Rittmeister Adam Hennich Schröders, der am 23. Oktober 1729 verstarb. Er war „königliche großbritanischen und churfürstlicher Braunschweig Lüneburgische Rittmeister“. Die Witwe stiftete diesen Epitaph zum Andenken ihres Mannes.

Im Aufgang zur Orgelempore: Das Bild zeigt aus derselben Familie Schröders die beiden verstorbenen Geschwisterkinder Henriette Amalie, gestorben am 5. März 1724 im Alter von 4 Jahren und Charlotte Antoinette, gestorben am 16. November 1728 im Alter von 7 Jahren. Sie sind nicht einfach „gestorben“, wie wir es heute ausdrücken würden, sondern „in die Freude des Himmels eingegangen“ bzw. „unter die Engel versetzet worden“, wie die Bildunterschrift erläutert.

Südwand Mitte: Das Bild zeigt den Sulinger Superintendenten Johan Friedrich Fienen, der am 29. Mai 1709 verstarb und der 22 Jahre lang Superintendent im Kirchenkreis Sulingen war. Das Bild hing früher in der Sakristei. Friedrich Fienen ist laut Bildunterschrift „nahe an diese Pfeiler“ begraben.





Die Paramente
Paramente, auch Antependien genannt, schmücken Altar, Kanzel und Lesepult und bilden die liturgischen Farben des Kirchenjahres ab: Violett für die Bußzeit (Advent und Passionszeit), Weiß für die „Hochfeste des Lebens“, Weihnachten und Ostern, Rot für die Feste des Heiligen Geistes und der Martyrer unserer Kirche (Pfingsten, Reformationstag) und Grün für die Trinitatiszeit im Sommer und im Herbst. Die Sulinger Paramente wurden im Henriettenstift Hannover gewebt.












Die Orgel
Wer zur Orgel hochschaut, dem fällt neben den Orgelpfeifen besonders die weiße und goldverzierte Holzeinfassung auf. Dieser Orgelprospekt (Eichenholz, z.T. Lindenholz) und Teile des Rückpositivs stammen im wesentlichen aus dem Jahr 1739 und gehen auf Christian Vater zurück (letzte Restauration 1998).
Die heutigen Orgelpfeifen mit ihren 22 Registern stammen aus den Jahren 1957 bzw. 1967. Die erste Sulinger Orgel wird übrigens bereits 1672 erwähnt und vom damaligen Superintendenten anderen Gemeinden (z.B. Harpstedt) zum Nachbau empfohlen.






Der Kirchturm und die Glocken

Am unteren Teil des Turmes kann man von außen noch sehr gut erkennen, in welcher Technik die Feldsteine gemauert waren, die bis 1875 auch an allen anderen Wänden der Kirche sichtbar waren. Diese Feldsteine wurden aus zerschlagenen großen Findlingen gewonnen, die vor Jahrtausenden durch die verschiedenen Eiszeiten aus dem Norden Europas in unseren norddeutschen Raum gelangten.
Der untere Teil des Turmes stammt aus der Zeit vor 1417. Im Jahre 1705 brannte der Turm ab, dabei ist auch die alte Glocke geschmolzen. Der 1729 wiederaufgebaute Turm war 18 Meter hoch.
Seit 1908 ist unser Kirchturm mit seiner stolzen Höhe von ca. 50 Metern bis weithin sichtbar. Die letzte Vergoldung des Wetterhahns erfolgte  1953, nachdem der Hahn infolge eines Blitzschlags deutlich „berupft“ schien.

Im Turm hängen drei Glocken:
Die älteste wurde 1713 von der Glockengießerei Becker in Hildesheim gegossen (es ́). Die beiden anderen sind aus den Jahren 1927 (f ́) und 1957 ( c ́), beide aus der Glockengießerei Rincker in Sinn.
Eine Besonderheit ist das tägliche Läuten der Gebetsglocke um 7.00 Uhr, um 12.00 Uhr und um 19.00 Uhr: drei mal drei Schläge. Es wurde nach dem „großen Brand“ 1719 eingeführt als Mahnung, das Gebet nicht zu vernachlässigen. „Haltet an am Gebet!“, sagt der Apostel Paulus (Römerbrief 12,12). Das Geläut dauert solange „wie ein Vaterunser dauert“.


Oft gestellte Fragen
  • Wie alt ist die Kirche?
Die erste Kirche aus Holz stand an dieser Stelle wohl schon zur Zeit Karls des Großen kurz nach 800. Möglicherweise wurde sie von Missionaren auf einer alten heidnischen Opferstätte errichtet, worauf der große, flache Findling, der in der Nähe des Turmes aufgestellt ist, hinweisen könnte (Opferstein?).
Die heutige Steinkirche reicht bis mindestens 1200 zurück (einschiffige Feldsteinkirche mit drei Gewölben). Um 1300 hatte die Kirche eine Kreuzform im Grundriß. Das Kreuz war durch ein ausgebautes Querschiff (gen Norden und Süden) und den angebauten Chorraum (gen Osten) entstanden.
Die Kirche wurde dann um 1450 zur Hallenkirche erweitert und erhielt damit schon fast ihre heutige Form. Bei einer Hallenkirche sind die Gewölbe der Seitenschiffe genauso hoch wie das Gewölbe im Hauptschiff. Im 19. Jahrhundert wurde die ganze Kirche außen und innen im neugotischen Stil sehr verändert. Die Kirche erhielt ihre Chorapsis und auch die bis heute charakteristische Ummantelung mit roten Ziegelsteinen (alles unter Baumeister Hase). Aus Rundbogenfenstern wurden Spitzbogenfenster. Die neugotische Ausgestaltung des gesamten Innenraumes hielt bis zur letzten großen Renovierung 1965. Dann wurde sie wieder entfernt, um dem älteren, mittelalterlich - romanischen Eindruck wieder mehr Gewicht zu geben.


  • Seit wann heißt die Sulinger Kirche St. Nicolai?
Evangelisch wurde Sulingen 1527. Vor der Reformation war die Sulinger Kirche wahrscheinlich dem Heiligen Nikolaus geweiht. Verlässliche Unterlagen darüber sind nicht vorhanden. Sie sind möglicherweise im Dreißigjährigen Krieg verlorengegangen. Nicolaikirchen gibt es in dieser Gegend viele. Nikolaus war der Schutzheilige der Kaufleute und Seefahrer. Sulingen lag an einer wichtigen Ost-Westverbindung, dem „Folcwech“, der auch Handelsweg war. In den 90er Jahren hat der Kirchenvorstand den für wahrscheinlich gehaltenen Namen „St.Nicolai“ wieder aufgenommen.

  • Wieviel Sitzplätze hat die Kirche?
Die Kirche hat ca. 450 Sitzplätze.



  • Befinden sich in der Kirche Gräber?
Ja, bekannt sind uns folgende Stellen:
- Sechs „unbekannte“ Gräber in einer Krypta seitwärts der Kanzel, wahrscheinlich Superintendentengräber. Dort fand man einen gewölbten Raum, der vom Kirchenschiff aus zugänglich war. Die Krypta wurde 1964/65 gefunden und wieder verfüllt.
- Ein Grab am vorderen Eingang, in dem am 21. Sept. 1718 der 6 ½ jährige Sohn Antonio Ludovico des Superintendenten Enckhusen beigesetzt wurde. Die Grabplatte trägt die Aufschrift: „Lerne zu sterben, Leser!“
- In Enckhusens Dienstzeit (1710-1724) fiel auch der Bau der Superintendentur (siehe gegenüberliegende Straßenseite).
- Hinter dem Altar ein Grab von Johann Gerken, Nechtelsen, gestorben am 10.1. 1793 im Alter von 89 ¼ Jahren. Das Grab befand sich früher außerhalb der Kirche und kam durch den Anbau der Chorapsis (1854/5) ins Kircheninnere.

  • Wie hoch der Turm?
Der Turm ist ca. 50 m hoch. Unterhalb der Spitze ist eine Webcam installiert. Man sieht Richtung Osten auf die Lange Straße.



Text: Jörg Schafmeyer